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Rüdiger Schink

Bild von Rüdiger Schink, RS POS, Moers

RS POS, Moers | Wurzeln in Schwaben, Franken und am Niederrhein

Natürlich habe ich als Deutscher in Deutschland nie am eigenen Leibe erfahren müssen, was Ausgrenzung und mangelnde Integrationsbereitschaft für Einwanderer bedeutet. Aber schon ein Blick auf die Generation vor uns offenbart eine Kleingeistigkeit, die wir irrtümlicherweise für überwunden hielten.

Meine Mutter stammt aus der Gegend um Schwäbisch Hall / Gaildorf. Die eine Stadt liegt in Schwaben, die andere ist fränkisch geprägt, was schon lokal einen großen Unterschied ausmacht.
Ihren Erzählungen zufolge war es aber in den 1960er Jahren eine große Überwindung, als Schwäbin oder Fränkin von den niederrheinischen Schwiegereltern anerkannt zu werden. Für diese waren Moers und Duisburg der Nabel der Welt, von hier ging alles Gute aus. Meine Mutter hingegen kam vom Lande, aus der Provinz, war die von „dahinten“.

Meine Mutter stammt aber aus einer wohlhabenden Gutsbesitzerfamilie, während die väterliche Seite Bergarbeiter waren. Doch nicht einmal der Umstand, dass es meine Mutter war, die Vermögen in die Familie brachte, half da viel weiter. Ich erinnere mich, dass das Zusammenleben der drei Generationen unter einem Dach bis zum Tod meiner Großeltern väterlicherseits als schwierig zu bezeichnen war. Es ist noch zu erwähnen, dass mein hiesiger Opa ein lupenreiner Nationalsozialist war, bis zu seinem Tod in den 70er Jahren. Der Opa mütterlicherseits galt als verschollen.

Wo auch immer ich heute Nationalismus und „Patriotismus“ begegne, sind dieser mit großer Ignoranz und Dummheit verbunden.

Dazu möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die mir im Sommer 2017 passiert ist:
In sommerlicher Hitze und Trockenheit begegnete ich bei einem familiären Spaziergang am Dreiländereck bei Aachen auf deutscher Seite einem Mann um die 60 Jahre, der mit seinem Zigarillo rauchend durch den Wald spazierte. Nun sollte sich jeder über die Risiken des Rauschens im Wald gerade im Hochsommer im Klaren sein. Mich ärgerte dieses Verhalten und ich sprach den Mann darauf an.

Dessen Puls stieg sofort auf über 180 und herrschte mich auf Niederländisch an, was mir als „Moffe“ denn einfiele, ihn zurechtzuweisen. Wir (gemeint waren wohl wir Deutschen) hätten im Krieg sechs Millionen ins Gas geschickt und ich sollte mich zum Teufel scheren.

Angesichts solcher Borniertheit bei uns und auch nebenan wird mir manchmal Angst und Bange, wenn ich an die Zukunft Europas denke.

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